Der Deckel kommt, die Bürgerinitiative Ohne Dach ist Krach macht nach 25 Jahren dennoch weiter

Volkwin Marg hat jahrelang aufmerksam verfolgt, wie „Ohne Dach ist Krach“ für den Autobahndeckel kämpfte.

„Man kann dieser Bürgerinitiative nur gratulieren. Nicht nur, Konsens hergestellt zu haben, so lange durchgehalten und beharrlich gewesen zu sein, vom Grundsätzlichen bis ins Einzelne zu gehen, sondern weitermachen zu wollen“, sagte der renommierte Architekt als Redner bei der Jubiläumsfeier der Initiative im kleinen Gemeindesaal der Christuskirche in Othmarschen.

„Uns geht es um Stadtteilreparatur“, hatte Initiativensprecher Bernt Grabow dem Ersten Bürgermeister, den anwesenden Senatoren, Bundestagsabgeordneten, Staatsräten, Verwaltung und Bezirkspolitik zuvor erklärt, warum „Ohne Dach ist Krach“ sich nach 25 Jahren nicht auflöst, obwohl der Deckel doch jetzt gebaut wird. Nun rücke in den Mittelpunkt, wie auf den bislang verlärmten Flächen entlang der Autobahn attraktive und bezahlbare Wohnungen entstehen könnten. Wie es nicht noch einmal gemacht werden dürfe, hatte Grabow anhand der Bebauung an der Behringstraße und im „Westpark“ in Othmarschen in einem Bildervortrag gezeigt. Dort werde viel zu dicht, eintönig und hoch gebaut, so Grabow. Auf den frei werdenden Flächen am Deckel müsse in den kommenden Jahren keineswegs eine architektonische Steinwüste entstehen.

GENAUSOVIEL WOHNRAUM
BEI NIEDRIGER BAUWEISE MÖGLICH

Volkwin Marg (82), immerhin einer der renommiertesten Architekten des Landes, kommentierte den Vortrag mit erkennbarem Enthusiasmus: „Als jemand sagte, nun wird Herr Grabow noch der Ober-Ästhet, da war ich heilfroh als er ,Ja’ sagte. Denn Wahrnehmung heißt Ästhetik und dies war eine Schulung in Wahrnehmung.“

Als ob sie Studenten in seiner Vorlesung wären, ließ Professor Volkwin Marg 20 mitgebrachte Farbausdrucke eines Artikels der „Süddeutschen Zeitung“ an die Spitze der Hamburger Politik und Verwaltung verteilen. „Wunderbar“ fand der Architekt die darin beschriebene Idee des Freiburger „Mietshäuser Syndikats“, einer Art Genossenschaft 2.0, bei der die Bewohner alle Entscheidungen gemeinsam treffen und dort ihr Leben lang zu günstigen Mieten wohnen können. „Ich missioniere jetzt nicht für ein Modell, sondern für die Idee des Erbbaurechts in besonderen Fällen.

Für die Weiterentwicklung von Genossenschaftlichkeit“, sagte Marg, der Grabow dabei aufmunternd anschaute: „Sie kriegen jetzt den ersten Job. Das ,Altonaer Modell’ zu machen, das man daraus weiterentwickelt.“ In diesen kleineren Einheiten könnte eine andere Bauweise als bei den Investorenprojekten an der Behringstraße oder im geplanten Holsten-Areal entstehen. Man könne bei niedriger Bauweise die gleiche Dichte hinbekommen, wie bei hoher Bauweise und Mindestabstandsregeln so beachten, wie es eigentlich sein müsste. Rund um den Deckel könne „zwischen, zwei, drei, vier oder manchmal in etwas höheren Geschossen“ gebaut werden, wo man aus der Selbstbestimmung heraus im städtebaulichen Kontext Akzente setzen will“.

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