Der Kopf der Liederbande

Porträt: Fast alle musikbegeisterten Kinder in Altona kennen Mirko Frank. Von Matthias Greulich

Als er kürzlich im Schnee mit dem Hollandrad zu den Proben fuhr, haben sie in der Fabrik die Köpfe geschüttelt. Was mit dem Konzert werden soll, wenn er auf seine Hände falle, fragten ihn die Bandkollegen der Liederbande. „Sehr kleinlaut“, habe er das Fahrrad später nach Hause geschoben, erinnert sich Mirko Frank.

Nun ist der Musiker mit den blonden Locken keiner, der jemals gedankenlos auf zwei Rädern durch Ottensen fahren würde. Eher zeigt die Anekdote, wie sicher sich der 52-Jährige in einer Nachbarschaft bewegt, in der er seit 1996 mehr als 5.000 Kinder in seiner Musikschule ausgebildet hat. Und so wird am Sonntag, 18. Februar, zur besten Frühschoppenzeit nicht nur das Erscheinen der neuen CD von Mirkos Liederbande „Gitti on tour“ gefeiert, sondern auch 22 Jahre Musikatelier Smørrebrød.
Mirko Frank geht das dänische Wort für „Butterbrot“ dabei sehr flüssig über die Lippen. Seine Mutter ist Dänin, der Konzertflügel, der bei der Großmutter in Odense stand, hat ihn als Kind fasziniert. „Passt doch gut, dass ich in Altona, mit seinem dänischen Hintergrund gelandet bin“, sagt er als wir in der gemütlichen Küche des Studios Tee trinken und einige Stücke der neuen Platte hören.

Ob russische Bass-Balalaika, australisches Didgeridoo oder türkische Zaz: Mirko Frank hat zu jedem der Instrumente aus fünf Kontinenten einen coolen Song geschrieben. Kindermusik ist das nicht, aber Stücke, bei denen junge Hörer Spaß an Musik vermittelt bekommen.

Aus seinem Musikatelier muss Frank im Herbst ‘raus

Als er den CD-Player ausgeschaltet hat, berichtet Frank, wie er vom Werbetexter zum Berufsmusiker und -pädagogen wurde. Auf einer Interrail-Reise war er sechs Wochen in Athen hängengeblieben und musizierte mit Schotten, die er in Griechenland kennengelernt hatte. Zurück in Düsseldorf, wo Frank damals lebte, fragte er seine Werbeagentur, ob er nur noch dreimal die Woche kommen könnte – zwei Tage wolle er Straßenmusik machen. „Ich hatte gedacht, die schmeißen mich ‘raus. Haben sie aber nicht, obwohl ich ja auch den Urlaub überzogen hatte“, berichtet er in einem Singsang, der immer noch sehr nach Rheinland klingt.
Auf einem Fest im Waldorf-Kindergarten wurde der Teilzeitmusiker mit seiner Gitarre der Star. „20 Kinder sangen einige Songs mit mir. Ich wurde gefragt, ob ich das nicht häufiger machen könnte, weil sie in der städtischen Musikschule nie soviel Spaß gehabt hätten.“ Und so lud er die Kinder ein, einmal in der Woche mit ihm in seinem WG-Zimmer in Düsseldorf Musik zu machen.
Als er schließlich nach Hamburg zog, hatte er anfangs Räume in der Palmaille, im Jahr 2000 sah er im Schaufenster eines Hauses in der Rothestraße ein Schild, auf dem „zu vermieten“ stand. Mit dem Vermieter wurde er sich rasch einig. „Herr Herrmann war ein Mann, bei dem ein Wort noch zählte.“

Mit dem neuen Vermieter läuft die Kommunikation anders: Wenn Mirko Franks Mietvertrag im Herbst ausläuft, muss der Musiker ‘raus, weil er die angekündigte Verdopplung der Miete nicht zahlen kann.
Für Ottensen und ganz besonders die unmittelbare Nachbarschaft wäre das ein großer Verlust. Bislang gehen die Kinder der Rotheschule einfach über die Straße, um bei ihm nachmittags den Trommelkurs zu besuchen.

❱❱ Mirkos Liederbande, CD Releaseparty und Familienkonzert, Sonntag. 18. Februar, 11.30 Uhr, Fabrik, Barnerstraße 36, Tickets vier Euro.

Mirkos Liederbande
Zu den Konzerten von Mirkos Liederbande in der Fabrik oder der Motte kommen bis zu 900 junge Zuhörer, die mitsingen. Außerdem hat Mirko Frank mit der Band Bitte lächeln! im Thalia in der Gaußstraße eine mitreißende Inklusionsband auf die Beine gestellt.

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