Sie wollen, dass Anwohner selber Schadstoffe messen

Das Start-up Breeze stellt seine Sensoren in Altona vor. Von Matthias Greulich

Ein Blick reicht, um zu sehen wie es gerade um die Luft auf der Billerhuder Insel bestellt ist: „Feinstaub gut“ , „Stickstoffdioxid sehr gut“ und „Luftqualität insgesamt befriedigend“, steht dann beispielsweise auf einer Homepage, die diesen und drei weitere Messpunkte in Rothenburgsort anzeigt. Alle 30 Sekunden wird die Seite mit den neuen Messergebnissen aktualisiert. Im Sommer 2017 hat das Start-up „Breeze“ auf Anfrage des Rothenburgsorter Stadtteilbeirats dieses Pilotprojekt ins Leben gerufen. „Jetzt wollen wir eine solche Internetplattform in Altona starten“, sagt Breeze-Geschäftsführer Robert Heinecke (27). Die Linke hat einen entsprechenden Antrag in der Bezirksversammlung gestellt. Auf der Veranstaltung im Bürgertreff Altona-Nord wird das Start-up die Geräte vorstellen.

Wie funktioniert die Luftmessung?

Das Harburger Start-up hat kleine Sensoren entwickelt, die viel kleiner als die üblichen meterhohen Messtationen sind. Die nicht mal zehn Zentimeter hohen Boxen lassen sich unkompliziert vor Kitas, Schulen oder Wohnhäusern anbringen.

Was kostet ein Sensor?
Wer ein Gerät mieten will, zahlt einmalig 1.000 Euro und anschließend 600 Euro pro Jahr für Wartung und Betrieb.

Wie belastbar sind die Messergebnisse?
„Nicht hundertprozentig genau, aber wir messen immer mit hinreichender Genauigkeit“, so Heinecke.

In Stuttgart messen findige Schwaben die Feinstaubbelastung im Talkessel mit Geräten, die sie nach dem Baukastenprinzip selber zusammenbauen. Funktioniert das auch in Hamburg?
Eher nicht. Die Ergebnisse jener Geräte lassen sich schwer miteinander vergleichen. Mit ihnen wird nur Feinstaub gemessen und nicht die Belastung durch Ozon, Stickstoffoxid, Ammoniak und Kohlenstoffmonoxid. „Wenn ein Gerät im vierten Stock steht, ändern sich die Werte, wenn ich auf dem Balkon rauche“, erklärt Heinecke. Der Charme einer zentralen Plattform wie in Rothenburgsort, liege laut Heinecke darin, dass die Daten der einzelnen Sensoren gleicher Bauweise untereinander vergleichbbar seien.

Gibt es Probleme mit dem Datenschutz bei der Plattform?
„Nein“, sagt Heinecke. „Es handelt sich nicht um personenbezogene Daten.“ Wenn aktuelle Daten über die Belastung der Luft in unmittelbarer Nachbarschaft verfügbar sind, werde das Auswirkungen auf das Verhalten der Bürger haben, hofft der Gründer von Breeze, zu deutsch „Brise“. Heinecke: „Wir hoffen, dass durch die Internetplattform ein öffentlicher Diskurs in Gang gesetzt wird.“

❱❱ Das Pilotprojekt in Rothenburgsort steht im Netz unter
hamburg.projectbreeze.eu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.